Der Behaim-Globus: Warum der älteste Globus der Welt „Erdapfel" heißt

Wer hat eigentlich den Globus erfunden? Kugelmodelle der Erde gab es wohl schon in der Antike – doch der älteste erhaltene Globus der Welt steht in Nürnberg: der „Erdapfel" des Martin Behaim, vollendet 1492. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem Kolumbus nach Westen segelte.

Ein Globus ohne Amerika

Behaims Erdapfel zeigt die Welt, wie Europa sie unmittelbar vor der Entdeckung Amerikas sah: Europa, Afrika, Asien – und dazwischen ein gewaltiger Ozean, in dem Japan („Cipangu") verlockend nah an Europas Westküste rückt. Genau dieser Irrtum machte Mut: Auf einer solchen Weltsicht beruhte die Idee, Indien westwärts zu erreichen. Der berühmteste Fehler der Kartografiegeschichte wurde so zum Antrieb des Entdeckungszeitalters – das wenige Jahre später auch Ferdinand Magellan zur ersten Weltumsegelung aufbrechen ließ.

Wie der Erdapfel gebaut wurde

Der Kaufmann und Weltreisende Martin Behaim (1459–1507) ließ die Kugel aus Leinen über einer Tonform laminieren – und Künstler wie Georg Glockendon bemalten sie mit über 2.000 Ortsnamen, 100 Miniaturen, Fabelwesen und Herrscherporträts. Der Begriff „Globus" war noch nicht üblich: Die Nürnberger nannten das Stück schlicht ihren „Erdapfel".

Sein Vermächtnis

Seit 2023 gehört der Behaim-Globus zum UNESCO-Weltdokumentenerbe; zu sehen ist er im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Und sein Erbe lebt in jedem handgefertigten Globus weiter: Noch heute werden Manufakturgloben – wie damals – aus einzelnen Segmenten von Hand kaschiert (wie das funktioniert). Die ganze Entwicklung vom Erdapfel bis heute erzählt unsere Geschichte der Globen.